Thursday

III. Natürliche Mantik a) Ekstase

Die Formen der natürlichen Mantik beruhen alle auf göttliche Inspiration.
a) in der E k s t a s e (theía manía; furor divinus) löst sich der Geist von aller Körperlichkeit und wird von göttlichem Pneuma erfüllt. Daher ist der Mensch in diesem Zustand über alle Formen diskursiven Denkens erhoben und gewinnt Einsicht auch in die Zukunft (Cic. div. 1,113. 129. Iambl. myst. 3,7-7, besonders p. 117,1f. Im Anschluss an Plat. Phaidr. 244C). Solche Besessenheit (katokoché) zeigt sich nach aussen in Schmerzenunempfindlichkeit und Veränderung der Stimme; vor allem spätantike Berichte schildern Lichterscheinungen der Götter bei solcher Ekstase. (Iambl. myst. 3,8. Prokl. in remp. 1, 110,27f. nach der Lehre der sogenannten chaldäischen Orakel). Die Ekstase kann als ursprünglicher Form religiöser Offenbarung jedem Menschen zuteil werden, engt sich aber in späterer Entwicklung auf besonders begnadete Personen (z.B. den Mantis) ein. Die Ägypten scheinen ekstatische Inspirationsmantik nicht gekannt zu haben, auch Homer erwähnt sie nicht, wenngleich Il. 1.86f. 385 praktisch eine Vorform der intuitiven Mantik darstellen: Der Seher kennt die Worte Gottes und spricht sie aus; durch ihn spricht der Gott (Cic. div. 1,66 deus . . . non Cassandra loquitur). Heraklit und Demokrit kennen die ekstatische Mantik. Platon erwähnt sie meist skeptisch (Apol. 22C. Men. 99C.); ausgehend von Plat. ep. 7,340C6 sehen die Neuplatoniker die Ekstase als Erhebung zum Göttlichen, mit der sich dann als Folge auch das Zukunftwissen verbindet.

0 Comments:

Post a Comment

<< Home